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Das Stimmgerät ist der Ansicht, dass jede Saite Ihrer Gitarre richtig gestimmt ist, und dennoch ist irgendetwas oberfaul. Sie haben gerade D-Dur und C-Dur gespielt, wechseln in die 5. oder 7.Lage und es klingt so richtig schief.

Also stimmen Sie noch ein bisschen hier und ein wenig dort und geben sich damit endlich zufrieden, dass zwar keiner Ihrer Akkorde perfekt, aber alle eben nur ein klein wenig schräg klingen. Schön gell ?

Draussen ist es Frühling, die Sonne scheint und ich überlege mir, Ihnen jetzt den Rat zu geben, sich einfach damit abzufinden, dass Ihr Instrument eben nur ein unvollkommenes Ding ist. Sie wären nicht unglücklicher als vorher und ich mache einen Spaziergang an der frischen Luft. Das tut gut, und man braucht dabei auch nicht Gitarre zu spielen.

Aber ich verschiebe dies ein wenig und möchte Ihnen dabei helfen, wieder mit Ihrer Gitarre in Stimmung zu kommen. Schliesslich haben Sie beide es verdient, oder ?

Es gibt mehrere Ursachen, die dazu führen können, dass Ihr Instrument schlecht zu stimmen ist. Denken wir einfach nicht daran, dass Sie eventuell nicht richtig höen können oder wollen, sondern wenden wir uns weiteren Aspekten zu.

Saiten

Nach meiner Erfahrung verursachen fehlerhafte oder abgenutzte Saiten die meisten Stimmungs-Probleme. Man kann sich als Gitarrenspieler absolut nicht darauf verlassen, dass ein neuer Satz Saiten perfekt funktioniert. Es gibt bei der Herstellung der Saiten Fertigungstoleranzen, die dazu führen, dass Quinten oder Oktaven nicht rein klingen. Das Material ist geringfügig unregelmässig, die Stäke variiert, der Ton auch. Besonders wenn eine Saite aus einem Satz extrem schief klingt, weist das auf schadhaftes Material hin.

Im Laufe der Zeit verändern sich die Saiten durch das Spielen aber auch die Einflüsse von Fingerschweiß und Luftfeuchtigkeit. Die Gitarre lässt sich immer schlechter stimmen; es wird Zeit, die Saiten zu wechseln. Dies kann nach einem Tag intensiven Spielens oder auch erst nach Wochen oder Monaten gelegentlichem Musizierens der Fall sein.

Bundreinheit

"Meine Gitarre ist nicht bundrein !" Diese Aussage habe ich schon oft gehört, wenn jemand Probleme mit dem Gitarrenstimmen hatte. Die Bundreinheit ist durch den Abstand der Bundstäbchen zueinander definiert. Die Position dieser Bundstäbchen errechnet sich aus der Mensur der Gitarre. Wenn die Bundstäbchen einmal korrekt eingesetzt sind, ändert sich dies nicht mehr. Eine Gitarre ist also von Anfang an bundrein oder, wenn fehlerhaft gearbeitet wurde, nicht.

Mensur

Mit "Mensur" bezeichnet man die Länge der schwingenden Saite bei der Gitarre.

Sie können die Mensur Ihres Instruments messen, wenn Sie mit einem Lineal die Distanz zwischen Sattel (am Gitarrenkopf) und der Mitte des 12. Bundstäbchens ermitteln und dieses Maß verdoppeln. Wenn Sie jedoch vom 12. Bund bis zur Einlage im Gitarrensteg messen, stellen Sie fest, dass jenes Maß für jede einzelne Saite geringfügig länger ist. Warum ist dies so ?

Nehmen Sie sich Ihre Gitarre und spielen die Flageolett-Töne in der 1. Oktave am 12. Bund. Die Saite bleibt dabei langgestreckt, weil Sie nicht auf ein Bundstäbchen gedrückt wird. Wenn Sie anschliessend am 12. Bund die Saiten herunterdrücken, dehnen Sie die Saite unwillkürlich. Der Ton müsste also eigentlich etwas höher klingen. Das dies bei einer gut konstruierten Gitarre nicht der Fall ist, hat damit zu tun, dass der Abstand zwischen 12. Bund und Steg größer als die Distanz zwischen 12. Bund und Sattel ist. Diese Maßdifferenz heisst "Spannungsplus" und erhöt sich bei kürzerer Mensur oder höherer Saitenlage. Kontrollieren Sie selbst. Das Spannungsplus für die e-1 Saite bei einer Westerngitarre mit 2,0mm Saitenlage(am 12. Bund gemessen) sollte ca. 2mm betragen.

Oktavreinheit

Schon mal gehört ? Die Oktavreinheit entscheidet oft über Ihre Stimmungsprobleme (bei der Gitarre) und hat eine Menge mit dem eben genannten Spannungsplus zu tun.

Je nach Saitenstärke und Saitenlage kann die Oktavreinheit optimiert werden. E-Gitarristen wissen die verstellbaren Stege an Ihren Gitarren zu schätzen. Bei der Akustikgitarre muss man aus klanglichen Gründen auf aufwendige Metallkonstruktionen verzichten. Obwohl der einfache Gitarrensteg aus Holz mit einer Knochen- oder Kunststoffeinlage sich klanglich bewährt hat, lässt sich die Oktavreinheit nur unvollkommen justieren.

Hierbei muss der Auflagepunkt der Saite auf der Stegeinlage verändert werden. Mittels einer Feile kann der Gitarrenbauer oder -reparateur diese Arbeit erledigen. Die Kontrolle geschieht durch Vergleichen des gespielten und Flageolett-Tons am 12. Bund. Beide Töne müssen die gleiche Frequenz haben. Ist dies der Fall, ist die Oktavreinheit korrekt.

Das hört sich praktisch an. Einmal eingestellt klingt die Gitarre von nun an rein und schön. Leider ist die Praxis anders. Die Saiten werden gespielt, verändern sich geringfügig und wenn Sie andere Saiten aufziehen oder die Saitenlage sich ändert, verschieben sich auch die Auflagepunkte, auf den denen die Saite theoretisch auf der Stegeinlage aufliegen müsste.

So ist das eben !

Sie teilen Ihr Schicksal für ein unvollkommenes Instrument mit vielen Leidensgenossinen und -genossen und können sich überlegen, ob Sie nicht lieber Violine oder Cello spielen. Die Erbauer dieser Instrumente wussten nämlich, warum Sie auf die feste Einteilung des Griffbretts durch Bünde lieber verzichten.

Ermutigung

Ich nehme an, Sie spielen trotzdem gern Gitarre.

Wenn Sie mit Ihrer Gitarre nicht in Übereinstimmung sind, sollten Sie folgende Check-Liste durchgehen.

  1. Neue Saiten aufziehen
  2. Kontrolle, ob gespielter und Flageolett-Ton am 12. Bund übereinstimmen
  3. Sollte eine einzelne Saite stark abweichen, bitte auswechseln
  4. Wenn Sie Unterschiede bei mehreren Saiten hören, sollte die Stegeinlage von einem Fachmann justiert werden